Die Geschichte des Deutschen Fürsorgetages

1953: Deutscher Fürsorgetag in Hannover

Der Deutsche Verein für Armenpflege und Wohltätigkeit (seit 1919: Deutscher Verein für öffentliche und private Fürsorge) wurde 1880 mit dem Ziel gegründet, die Armenpflege in Deutschland zu vereinheitlichen. Der Verein diente den auf diesem Gebiet tätigen Akteuren – Kommunen, privaten Wohlfahrtseinrichtungen, Einzelpersonen aus Politik und Wissenschaft – als Forum, um sich auszutauschen und Vorschläge zur Reform des zersplitterten Armenwesens zu entwickeln. Dieser Austausch fand vor allem auf den einmal jährlich öffentlich stattfindenden Jahresversammlungen statt. Sie dauerten zwei bis vier Tage und wurden meist in mittleren oder Großstädten abgehalten. Dort wurden aktuelle Fragen der Armenpflege und Reformkonzepte erörtert und Resolutionen verabschiedet. Seit 1886 wurden die Berichte der Tagungen vollständig veröffentlicht, wodurch sie in die Politik und Fachwelt hineinwirken konnten.

1953: Deutscher Fürsorgetag in Hannover

Mit der Professionalisierung des Deutschen Vereins ab 1919 erhielten die Jahresversammlungen, die 1917 bereits in „Deutscher Armenpflegetag“ umbenannt worden waren, den Titel „Deutscher Fürsorgetag“. Damit sollte die Zuständigkeit für das gesamte Spektrum der sozialen Fürsorge, weit über die traditionelle Armenpflege hinaus, zum Ausdruck gebracht werden.

Von Beginn an standen die Jahresversammlungen/DFT unter einem bestimmten Thema, zu dem meistens vorab von Fachleuten Expertisen ausgearbeitet wurden. Beispielsweise ging es 1890 um „Das Landarmenwesen und die Wohnungsfrage“, 1897 um „Die Armenpflege in ihren Beziehungen zu den Leistungen der Sozialgesetzgebung“ und 1915 um „Soziale Fürsorge für Kriegerwitwen und Kriegswaisen“. In der Weimarer Republik spiegelte sich die zunehmende Bedeutung des Deutschen Vereins für die Gestaltung des Wohlfahrtsstaates in Themen wie „Die Neuregelung der öffentlichen Fürsorge unter dem Druck der Finanznot“ (1921) wider. 1938 fand unter dem Titel „Arbeitseinsatz und Arbeitserziehung durch Fürsorge“ der letzte DFT bis 1946 statt.

In der Bundesrepublik bildete zunächst die Neuordnung des Fürsorgerechts und deren Umsetzung nach der Verabschiedung des Bundessozialhilfegesetzes (1961) einen wichtigen Schwerpunkt. Hinzu kam die Thematisierung spezifischer Zielgruppen der Sozialen Arbeit wie Menschen mit Behinderung (1967) und Familien (1986). 1990 fand der erste gesamtdeutsche DFT in Hannover unter dem Thema „Die soziale Arbeit in den 90er Jahren – Neue Herausforderung bei offenen Grenzen in Europa“ statt.